5 mal und über 300 Kilometer

Unsere Erkundungstour von Hamburg nach Berlin erfolgte nach den Regeln von HHB, aber doch irgendwie abseitig. Aber was macht man nicht alles, wenn man Zeit hat und das Optimum der Tour nicht im möglichst schnellen Ankommen liegt. Man nimmt Elbfähren. 3 mal haben wir so die Elbe gequert. Die Dömitzer Brücke musste wir von Niedersachsen nach MeckPom nehmen (= Regel HHB) und dann haben wir einen netten Feldweg hinter Schnackenburg gefunden. Da haben wir dann zum fünften mal, die ehemalige innerdeutsche Grenze passiert. Es war der Tag der Deutschen Einheit und demnächst jährt sich auch die Grenzöffnung zum 25.mal. 25 (verschiedene) Übergänge wird schwer, aber 5 ist auch schon ziemlich gut.  

Getroffen haben wir uns in Bergedorf am Bahnhof und um kurz nach 8 Acht ging es dann los. Nach knapp 100 Metern wurde dann noch mal Luft gepumpt. Das war aber am 3. Oktober die einzige gefühlte Panne. Am Sonnabend gab es dann auch noch einen Stopp, sogar mit Schlauchwechsel.Bei Sieben Leute mit je 300 Kilometern und 1,5 Pannen, kann man aber doch von einer für das Rennrad geeigneten Tour sprechen. Trotzdem gab es einzelne Klagen.

Egal ob Rennrad oder nicht, die Geesthachter Elbbrücke ist für Radfahrer schon der Graus. Aber da mussten wir rüber, denn so ist es auch bei HHB vorgesehen. Wir fuhren dann den Radweg entlang des Elbdeiches und der geht kurz hinter dem Kernkraftwerk-Krümmel wieder auf die Elbuferstraße. Da wird zur Zeit gebaut (Einbahnstraße in der falschen Richtung). HHB-Fahrer sollten den Radweg benutzen. Die Minute Zeitverlust muss drin sein.

Wir waren aber meist abseits der eigentlichen Straßen unterwegs. Mit dem Elbdeich in unmittelbarer Nähe stimmte auch die Richtung. Aber in Bleckede mussten wir durch den Ort. Wo sonst hätte es einen Bäcker gegeben.

Auf der Fähre war richtig Betrieb. Die Gegend um Neuhaus gehört jetzt zwar zu Niedersachsen, aber früher war da DDR. Der Weg entlang der Elbe war von Gelegenheitsradlern bevölkert, aber alles noch erträglich. In Darchau wurde der Tag mit einem kleinen Volksfest an der Fähre gefeiert. Da hielten wir uns aber nicht auf sondern fuhren bis Herrenhof, das liegt gegenüber von Hitzacker. Die Berge auf dem anderen Elbufer hatten wir uns damit gespart. Dafür gab es dann richtiges Pflaster auf dem Weg zu Elbe. Die Fähre nach Hitzacker ist nur für Fußgänger und Radfahrer, klein und schnuckelig, aber vergleichsweise teuer.

Die Dömitzer Brücke war wieder ein „Muss“, das aus den HHB resultiert. Vorher mussten wir uns aber noch von einem Auto mit Anti-Atom-Aufkleber aus Celle an hupen lassen. Das Auto kann noch so öko sein, in der Beziehung schlägt nichts das Fahrrad.

Die Bundesstraße zwischen Dömitz und Lenzen macht einen kleinen Bogen. Wenn man schnell nach Berlin will, fährt man besser geradeaus. Aber wir hatten ja Zeit und wollten endlich mal wieder ein wenig Fähre fahren. An der Fähre Lenzen steht noch ein alter Wachturm und auch hier wurde gefeiert.

Der Weg entlang des Elbe erwies sich als betoniert und wir erreichten recht bald Schnackenburg. Es gab alkoholfreies Weizen, Kuchen war alle. Morgens in Bergedorf war es ziemlich bedeckt gewesen, aber nachmittags hatte sich die Sonne durchgesetzt.

Man hätte auch wieder Fähre fahren können, aber 3 mal täglich Fähre ist schon reichlich. Mal muss ja auch genug sein, aber der Weg über die ehemalige Grenze, jetzt von Niedersachsen nach Sachsen- Anhalt, ist nicht mehr als eine Treckerspur am Wiesenrand. Aber natürlich voll rennradtauglich (kein Platten). Wir waren dann auch schon fast in Wittenberge. Vorher gab es noch einen unbeschrankten Bahnübergang mit Warnhinweisen. Wir haben aufgepasst und sind unbeschadet rüber gekommen. Auch der der Pfad entlang der Einbahnbrücke (klappernde Holzbohlen) ließ sich überwinden. Wir waren in Wittenberge, da wo der Uhrenturm steht.

Bis zur Pension am Tivoli ist es von da aus nicht mehr weit. Die Unterkunft erwies sich als Glücksgriff mit reichhaltigem Frühstück am nächsten Morgen. Wittenberge liegt übrigens in Brandenburg und hat ein Wohnungsproblem der anderen Art. Die Bevölkerung ist rückläufig. Wir hatten auch leichte Schwierigkeiten, eine geeignete Lokalität für das Abendessen zu finden. Es ist uns aber gelungen.

Am Sonnabend war es frischer und klarer. Die Gänse zeigten schon vorm Frühstück, wie es so geht, mit der Fortbewegung in der Formation. Sonniges Wetter bedeutete aber auch Wind aus Ost. Mehr als angenommen. Formation auf der Straße geht etwas anders, als am Himmel. Wir haben das aber die ganze Zeit angestrebt und sind dann auch gemeinsam in Spandau am Bahnhof angekommen.

Aber am Morgen war Berlin noch weit weg, von den Fähren hatten wir genug, aber Elbe war noch genug da. Wir fuhren also von Wittenberge entlang des Elbdeichs die Elbe aufwärts. Auch da wurde Beton für den Elberadweg verbaut. Nicht durchgängig, aber das erste Stück. Außerdem wollten wir noch durch das Storchendorf Rühstädt. Da muss man die Straße nehmen. Die Störche waren nicht mehr da, nur noch die Nester.

Die Elbe hörte für uns an der Havel auf, genauer am Gnevesdorfer Vorfluter. Da wurde sicher zu Gunsten des Hochwasserschutzes die Landschaft gestaltet. Der Weg am nördlichen Ufer war durchgängig gut. Die Wehranlage Quitzöbel liegt wieder in Sachsen-Anhalt. Irgendetwas wurde da gebaut, aber wir kamen Problemlos rüber und zwischen Elbe und Havel erreichten wir praktisch ohne Höhenmeter den südlichen Ortsausgang von Havelberg. Die angekündigte Straßensperre Richtung Rathenow kann man als Radfahrer ignorieren. Wir benutzten auch testweise den Radweg auf der rechten Seite. Aus unsere Sicht, eher rausgeschmissenes Geld des Steuerzahlers.

Der Radweg verschwenkt kurz vor Kuhlhausen auf die linke Seite. Das Stück kann man für HHB durchaus empfehlen, wenn man nicht gar zu schnell in der Gruppe unterwegs ist. Es geht ein wenig eckig, aber ansonsten gut fahrbar hinter der Ortschaft vorbei. In Kuhlhausen gibt es herausforderndes Kopfsteinpflaster und da ist auch die Baustelle, die die Straße für den Durchgangsverkehr mit dem Auto sperrt.

Danach hatten wir dann das letzte Mal die Havel gequert und sind in Rhinow beim Supermarkt eingekehrt. Die Restaurantkritik erspare ich uns. Hinter Rhinow sind wir dann südlich abgebogen. Die Streckenvariante ist möglich, für HHB aber nicht besonders sinnvoll. Aber auf der Strecke über Nennhausen stößt man nahe Ribbeck auf die B5. In Fontanes Gedicht geht es um Birnen und den Herrn von Ribbeck. Wir haben da Kaffee getrunken, Uwe war in der Kirche und hat sich den Holzstumpf angesehen, Ludger war groß genug, eine Birne zu erwischen.

In Berge sind wir dann wieder von der B5 weggefahren und haben die Fahrradstraße nach Nauen genommen. Hinter Nauen gibt es Wege parallel zur B5, die darf man bei HHB benutzten, die Fahrbahn ist als 4-spurige Kraftfahrzeugstraße ausgebaut und für das Zeitfahren tabu.   

Anja hatte ein Bild am Berliner Ortseingang bestellt, außerdem hatten wir Wind von vorne und hatten uns ziemlich lange in Ribbeck aufgehalten. Wir wählten den fast direkten Weg zum Bahnhof Spandau. Bahnfahren ist ja für die Meisten, die zweite Disziplin bei Hamburg-Berlin. Wir hoffen jedenfalls, dass es am kommenden Wochenende keinen Streik gibt. Auch ohne Streik, dauerte es bis Wittenberge, bis jeder von uns ein Sitzplatz hatte. Aber das gehört dazu. Die Bahn war übrigens praktisch pünktlich.

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