Hamburg Berlin 2012 / Der Veranstalterbericht

Sollte ich die zwei Rennradmädchen ansprechen, die am Freitagnachmittag etwas ziellos, jeweils bepackt mit einem Rucksack, durch den Bergedorfer Regen fuhren? Ich bin schüchtern, was könnten die von einem denken? Am nächsten Abend waren sie in Berlin und hatten an den Siegerschnaps gedacht und sicherheitshalber von Hamburg nach Berlin transportiert. Glückwunsch! 

Der Regen am Freitag war schon nicht ohne. Wenn man dann am Morgen um 4:00 Uhr vor die Haustür tritt und die Sterne sieht, dann weiß man, mindestens ein Kachelmann hat ein gutes Wort an höchster Stelle für das Zeitfahren von Hamburg nach Berlin eingelegt. Die Bedingungen waren den ganzen Tag über gut. Zum Radfahren nach Berlin und auch zum Veranstalten.

Bei ungefähr 300 Startern sind wir mit unseren organisatorischen Möglichkeiten an der Grenze. Das betrifft besonders die Örtlichkeiten am Start und Ziel, aber 300 Leute müssen auch administrativ bewältigt werden. Außerdem ist das Zeitfenster rund um 6:30 Uhr schon sehr besetzt. Die Zahl von 300 Anmeldungen wurde überschritten und die Homepage für Anmeldungen gesperrt. Nachmeldungen per Mail konnten dann aber berücksichtigt werden, weil es auch ein paar Absagen gab. 277 Teilnehmer haben sich schließlich in Altengamme zum Start gemeldet. Ich möchte hier das Lob von den Teilnehmern weitergeben und den Helfern danken. Dank auch an Hans-Jürgen (Wirt in Altengamme) und den Hausmeister(n) vom Wassersportheim. Es hat alles so reibungslos geklappt, wie man sich das wünschen kann. 

Nach dem Frühstück kann man als Veranstalter auch noch mal was tun. Autofahren zum Beispiel, um Andrea nach Berlin zu bringen und zwischendurch ab und an mal anhalten und ein wenig fotografieren. Kurz vorm Ortseingang von Artlenburg war jemand am telefonieren, ein Fahrer saß etwas unglücklich im Gras. „Fahr weiter! Wir haben einen Krankenwaagen bestellt und die Polizei informiert“ Später stellte sich heraus: Krankenhaus, Oberschenkelhalsbruch usw. Alles, weil ein Autofahrer meinte, die Gruppe brutal ausbremsen zu müssen.

Wie gesagt, ich bin weiter gefahren und habe versucht schöne Bilder zu machen.

An der Kontrollstelle in Dömitz hatten die Kollegen alles in Griff. Auf dem Sockel des Brückensegments der alten Brücke, standen die Kaffeekannen zur Selbstbedienung. Keiner musste hungern oder dursten.

Kurz hinter Havelburg nutzte Andrea die sehr sparsam genutzte Fahrbahn für ein kleines Tänzchen. Wenn mir danach gewesen wäre, hätte ich noch über den Sinn des neugebauten Radweges nachdenken können. Aber man sieht  schönes Wetter, Natur und Kultur. Den Dom St.Marien zu Havelberg muss ich bei der nächsten Gelegenheit mal näher betrachten. Otto I. erhob Havelberg 946/48 zum Mittelpunkt eines Bistums. Das habe ich abgeschrieben, aber ich will mit diesem Text auch nicht promovieren.

Im Wassersportheim lief noch eine Prüfung für den Sportbootführerschein. Ich war froh das es trotzdem noch mit Hamburg-Berlin als Ziel geklappt hat und wir ab 15:00 Uhr die Räume nutzen durften. Aber HPV-Chefin Heike rief schon viel früher an. Sie hatte sich als Helferin eingeteilt, weil HHB zum Deutschland Cup der Liegeradler gewertet wird. „Das Wetter ist gut, setzt dich auf die Bank und genieße den Blick auf die Havel“ Aufbau ab 15:00 Uhr, heiße Suppe und Würstchen vom Grill ab 16:00 Uhr und dann würde alles klappen. Herr Schaffert, der Hausmeister vom Wassersportheim hatte übrigens auch Zeit-Sorgen. Es waren mehr Kandidaten als sonst und es dauerte länger als vorgesehen. Aber am Schluss klappte alles und ich hoffe, die Prüfungen wurden bestanden.  

Die Zeiterfassung ist so ein Thema. In der Vergangenheit hatten wir es mit Barcodes auf der Startnummer versucht. Funktioniert auch schnell und Sekundengenau. Meistens aber nicht immer. Diesmal setzten wir auf das Selbstbedienungsprinzip. Jeder Teilnehmer trägt seine Zeit selber auf die Startnummer und gibt sie dann zum Eintragen ab. Das funktionierte gut, nachdem wir den offiziellen Eintrager im Aufenthaltsraum untergebracht hatten (Hans-Hermann sitzt auf dem Bild noch an der falschen Stelle. So kann man nicht arbeiten). Sinn der ganzen Aktion ist es, Fehler durch Stress beim Eintragen zu vermeiden. Der entsteht unvermeidlich, wenn mehrere zusammen eintreffen. Wir hatten einen Eintragungsfehler (Startnummer statt Zeit eingetragen) und ein paar Mal das Problem, eine handschriftliche vier von einer neun zu unterscheiden und ein Fehler durch verrutschen in der Zeile.

Egal wie man aufzeichnet und misst, mit Verkleidung ist man schneller. Christian Ascheberg kann als Letzer starten und kommt doch als Erster an. Wir waren auch schon um 14:50 Uhr auf dem Gelände. Die 6:29 Stunden sind korrekt erfahren worden. Der Reifen hat gehalten.

Als wir uns im letzten Jahr vollständig selber um die Bewirtung im Wassersportheim kümmern mussten, war ich gar nicht so richtig erfreut. Noch eine Aufgabe an die man denken musste. Letztes Jahr hatte Audax-Club-Mitglied und Hobby Koch Ludger ums kochen gekümmert. Dieses Jahr hat Andrea ihre Kontakte spielen lassen und wir konnten Koch-Profi Niels, ehrenamtlich für die Aufgabe gewinnen. Die Suppe hat mir in beiden Jahren geschmeckt (meistens schmeckt es mir sowieso).Von den Abläufen in der Küche habe ich praktisch nichts mitbekommen, so geschmeidig lief alles. Bild oben: Heike freut sich und Nils macht irgendwas mit dem Ei (pad oder so was).

Am nächsten Morgen haben wir dann gefrühstückt, ein wenig aufgeräumt und sind wieder nach Haus gefahren (Auto). Wir hätten noch ein paar mehr Teilnehmer im Wassersportheim zum Schlafen unterbringen können. Die Anmeldungen waren auch da, wurden dann aber nicht in Anspruch genommen. Hier müssen wir uns im nächsten Jahr noch kommunikativ verbessern.


War es der Regen am Freitag, die vielen Leute am Sonnabend oder bin ich dem Ganzen insgesamt nicht mehr gewachsen? Wie auch immer, ich habe ab Montagmittag 4 Tage vorwiegend im Bett verbracht. Erkältung, leichtes Fieber und ohne Kraft. Auch heute am Sonntag eine Woche nach Veranstaltung habe ich im wahrsten Sinne noch die Nase voll.

Die Rohergebnisse sind veröffentlicht, man hat Teilnehmerberichte zur Kenntnis genommen, die Endauswertung steht noch bevor und dann die Abrechnung. Aber mein Vorsitzender mit dem Zugriff aufs Vereinskonto ist sowieso im Kurzurlaub.

Wer im Einzelfall noch Geld zu bekommen hat (das gilt auch für uns Helfer) möge sich noch einige Tage gedulden. Ich habe eine Begleitfahrzeugmeldung erhalten und warte da noch bis Dienstag, ob ich eine Antwort auf meine Mail bekomme und dann kommen auch die Ergebnisse, sortiert nach Zeit und zusammengefasst zu Teams, auf die Seite.

Auf Helmuts Fahrradseiten wurde über Windschattenfahren innerhalb der Teilnehmer geschrieben. Ganz klar, das ist erlaubt. Verboten ist, Hilfe von außen zu organisieren (Das sind Begleitfahrzeuge für die Versorgung und bestellte Windschatten).    

Jetzt am Sonnabend bekam ich eine Mail von Kersten (beteiligt am Unfall in Artlenburg). Den Begriff ‚pertrochantäre Femurfraktur‘ musste ich googeln, aber er ist vom Fach. Er schreibt unter anderem:

Infolge des Sturzes bin ich mit dem Kopf so hart aufgeschlagen, dass der Helm an drei Stellen gebrochen ist. Ich denke, ohne Helm hätte ich den Unfall nicht überlebt. Generell geht es mir aber  - den Umständen entsprechend - bereits wieder  gut.

Es hat mich dann doch verwundert, dass mehrere Fahrer, die an uns vorbeikamen bis der Rettungswagen eintraf, ohne Helm unterwegs waren. Vielleicht solltest du das Tragen eines Helmes bei der Teilnahme zur Vorschrift machen - so wie es auch bei anderen Veranstaltungen der Fall ist.

Darüber muss ich nachdenken. Die jetzige Regelung ist:“es gilt die STVO“. Ich persönlich trage beim Radsport immer einen Helm, beim Brötchen holen eher nicht. Für einen Radrennfahrer ist der Helm auch kein Problem, aber es gibt auch andere Bauformen. Auch wenn die UCI das gar nicht mag, irgendwer muss doch irgendwo mal ausprobieren, was so ohne Motor alles geht.

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Begleitfahrzeuge

Wo kann ich mich denn nächstes Jahr als Spürnase für Begleitfahrzeuge rekrutieren lassen? Wollt schon immer Blockwart werden.